Snakeytox, Audiofrosch und Enfants terribles Studioblog

Florent Marchet – Courchevel

19. Januar 2011 von Audiofrosch

Wenn man eine Stimme hat, die sehr an Alain Souchon erinnert, kann das Sänger-Leben in Frankreich etwas schwer werden. Deutsche kennen “Alain Souchon” wahrscheinlich nicht… Pech gehabt, Glück gehabt. Ihr könnt dadurch Florent Marchet ohne Vorurteile genießen, und das ist gut so, denn er hat seinen Style, seine Musik, seine Emotionen.

Wenn ihr wissen wollt, wie die französiche Midlife-Generation versucht, schmerzhaft ihre Gefühle in den Griff zu bekommen, dann werft mal ein Ohr auf “Courchervel”. Da werdet ihr eine Welt zwischen Barock und Zurückhaltung finden und werdet merken, womit die 35 bis 45-jährigen zu kämpfen haben: Urlaub, Affären, belanglose Diskussionen, die Lust, immer noch 20 zu sein und das romantische zusammen Sterben. Ihr werdet vielleicht auch  erfahren, was es bedeutet für ein paar Sekunden loszulassen.

Instrumental klingt das Album sehr reich, sehr natürlich und trotzdem sehr bescheiden: ein bisschen Elektronik und sehr viele Instrumente zwischen Keyboards, Bläser, Gitarren und Geigen. Wir befinden uns hier musikalisch wieder auf bekanntem “Musikterrain” in der Kategorie von Calogero, Benjamin Biolay, Alain Souchon, Philippe Sarde und… ja sogar Ennio Morricone.

Unbedingt anhören: Pouquoi êtes vous si triste, Benjamin, l’eau de rose, l’idole

Florent Marchet Online:

Benjamin bei Youtube
Courchevel Akustisch
Forent Marchet bei Myspace

Note: ★★★★½ 

Zazie – Za7ie

21. Dezember 2010 von Audiofrosch

Von Zazie habe ich euch noch nie erzählt… Das ist merkwürdig, denn seit fast 20 Jahren sorgt ihre Musik, sei es Pop, Rock oder Electro in Frankreich für Melancholie, Gänsehaut, Freude und Tanzlust. Sie ist definitv nicht katalogisierbar, obwohl man ihre Markenzeichen immer sofort erkennt: eine hohe ätherische Stimme, hautnahe Texte und schöne Melodien.

7 Tage pro Woche, 7 Songs pro Tag: Das neuste Werk von Zazie hat 49 Stücke. Da fällt es schwer, ein pauschales Urteil zu fällen. Wie kann eine Künstlerin auf einmal so viel Material produzieren, ohne dass am Ende die Hälfte zum Wegwerfen ist? Zazie hat eine Antwort gefunden: ihre Echtheit.

Sie kennt unsere Emotionen, sie weiß von unseren Gemütsbewegungen:  über das Kind im Erwachsen,  zwiespältige Gefühle, der Kampf zwischen Herz und Gewissen, ja sogar über unsere Lust auf Party am Freitag Abend. Sie weiß, dass wir am Donnerstag lieben können, um am Freitag zu verlassen, und wer weiß? Vielleicht heiraten wir ja am Samstag? Zazie weiß bescheid über uns,  und sie weiß genau was sie tut: uns berühren.

Zazie Online:
Youtube: http://www.youtube.com/user/zestofza7ie
Unbedingt anhören: L’une et l’autre, copier 100 fois,  Tout va bien, L’heure H, Le jour J, Vladivostok,

Marina & The Diamonds – The Family Jewels

19. November 2010 von snakeytox

Es wird wieder Zeit für etwas Mainstream-Pop. Lenka ist schon wieder viel zu lange her und im eher dunkleren, schwermütigen Winter, ist Selbstmördermusik nur was für Selbstmörder.

Also: Marina & The Diamonds – The Family Jewels. Diese Platte ist wirklich gut.

Gut, wenn man sich mal durch die sehr 80er mäßige Produktion gekämpft hat und sich einfach nur auf die Songs, die Arrangements, die tollen Gesangslines und die starke Stimme von Marina konzentriert. 
Aber dann wird man wirklich mit “Jewels” belohnt.

Obsessions zum Beispiel. Dieser wundervolle Klavier Song, der sich von “ganz ruhig” und “langsam” zum Pop Burner steigert. Wären die kitschigen Keyboards nicht, dann könnte das auch problemlos eine Nummer der grandiosen Amanda Palmer sein. Hier werden jetzt einige die Nase rümpfen, dass machen sie mit Sicherheit aber nur so lange, bis sie die Nummer wirklich mal in Ruhe angehört haben.

Auch Nummern wie “Are you satisfied”, “I am not a Robot” oder “Mowgli’s Road” sind echte Popperlen, die einfach nur gut gemacht sind.

Bei Songs wie “Hermit the Frog”, Hollywood”, oder “oh no”, kann es zwar passieren, das der ein oder andere beim ersten Hören erst mal etwas verwundert dreinschaut. Extrovertiert, ausgeflippt und gesangliche Oktavspünge denen man erst mal folgen können muss. Aber dann, nach zwei, dreimaligem Hören merkt man, wie Spass einem das macht, denn sowas hört man im Mainstream, der chartsrelevant ist, nur selten…eigentlich gar nicht mehr soweit ich das empfinde.

Sehr gut, fünf Sterne, auch wenn dass sicherlich die meisten anders sehen werden…aber das ist ja das Ziel einer Kritik!

Unbedingt anhören: Obessions, I am not a robot, Mowglis Road

Marina & The Diamonds online: offizielle Website, myspace

Note: ★★★★★ 

Benjamin Biolay – La Superbe

19. Oktober 2010 von Audiofrosch

Mit “La superbe” legte Benjamin Biolay sein fünftes Album vor. Den Weg über den Rhein hat er leider noch nicht gefunden. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass er nicht dem entspricht, was Deutsche sich unter “typisch französischen Chanson” vorstellen (wie z.B. Zaz). Aber für uns Franzosen klingt er typisch. Wer die Musik von Serge Gainsbourg kennt, wird verstehen, was ich damit meine.
 
Und genau in diese Kategorie passt Biolay: komplex, schwermütig, modern und dennoch sehr “klassisch-französisch”. Alle Repertoire sind vertreten: Geigen, Electro-Sounds, Klavier, E-Beats, Gitarren, ohne den Zusammenhang und den Überblick zu verlieren. Melodisch, traurig, desillusioniert und doch mit einem Hauch Hoffnung versehen: diese Musik hört sich wie ein Film an, am besten nachts auf einer Landstraße, oder an einem Sonntagabend im Herbst.
 
“La superbe” ist eine Doppel-CD mit 23 Liedern und ich kann leider nicht sagen, dass alle Nummern als “Single Shots” gelten könnten. Aber es sind für mich mindestens 15 sehr gute Songs darauf: viel mehr als bei einer üblichen LP.

Diesen Artikel kommentieren

Unbedingt anhören: Ton héritage, Tout ça me tourmente, Prenons le large, Jaloux de tout

Bei Youtube: La superbe, Ton héritage (Live in Casino de Paris), Tu es mon Amour (live auf TV5)

Note: ★★★★☆ 

Pomplamoose Music – I don’t wanna miss a thing

07. September 2010 von Audiofrosch

Aerosmith… Kreischende Männer im mittleren Alter: igitt! Ich hasse “I don’t wanna miss a thing”!

Aber da sehen wir wieder die Magie, die ein gutes persönliches Cover versprühen kann. Aus einem Song wird das Wesentliche herausgepresst, man behält Melodie und Texte und vermischt alles mit einem neuen Feeling in einer neuen Produktion. Manchmal kommt eine mittelmäßige Frucht heraus, und manchmal kommt… Pomplamoose: lecker!

Der Song online hören: I Don’t Wanna Miss A Thing – Version von Pomplamoose

Mehr über Pomplamoose:
Bei Youtube:  www.youtube.com/user/PomplamooseMusic
Bei Myspace: www.myspace.com/pomplamoosemusic

Snakeytox benutzt WordPress. Danke auch an WordPress Theme Generator.
Copyright © Snakeytox, Audiofrosch und Enfants terribles Studioblog. All rights reserved.